Einzelberatung
Renata Fuchs


1. Rahmenbedingungen

Die spezifische Form der Einzelberatung wurde von zb - zentrum für beratung, training & entwicklung in Anlehnung an die Kurzberatungskonzepte von U. Rauchfleisch* und M. Basch * in Zusammenarbeit mit der RGS (Regionale Geschäftsstelle) des AMS Krems und der LGS (Landesgeschäftsstelle) des AMS NÖ speziell für KundInnen des AMS entwickelt. Die Beratung wurde für Personen konzipiert, für die sich aufgrund diverser Probleme im Vorfeld der Vermittlung absehen läßt, daß die Integration in den Arbeitsmarkt bzw. die Aufrechterhaltung eines eventuellen Arbeitsverhältnisses deutlich erschwert wird.

Zu diesen Problemen zählen u.a. geringe Mobilität bzw. Flexibilität (z.B. durch Betreuungspflichten für Kinder und kranke Familienmitglieder, unzureichende öffentliche Verkehrsmittel, kein Führerschein, ...), Defizite bei der Bewerbung, mangelndes Selbstbewußtsein, physische bzw. psychische Einschränkungen, familiäre Krisen, Qualifikationsdefizite und Suchtprobleme.


2. Formaler Ablauf

Im einem Erstgespräch wird die spezifische Situation der/s KundIn erfaßt und die weitere Vorgangsweise besprochen. Um für die KundInnen das bestmögliche Ergebnis erzielen zu können, bedarf es bestimmter Rahmenbedingen: Dazu gehört die Vertraulichkeit bezüglich aller Gesprächsinhalte, die Freiwilligkeit der Beratung und die Kooperation mit den zuständigen RGS-BeraterInnen.

Zum Abschluss wird die Beratung durch einen Bericht dokumentiert, der von deR zb-BeraterIn und deR KundIn gemeinsam verfasst und unterschrieben wird. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass Daten nur mit Zustimmung der/s KundInnen weitergegeben werden.


3. Ablauf der Beratungen

Bei den Beratungen geht es neben der Vermittlung des Know-hows bezüglich erfolgreich geführter Bewerbungsgespräche und dem Erarbeiten von professionellen Bewerbungsunterlagen vor allem auch darum, mit den KlientInnen eigene Ziele innerhalb eines realistischen Zeit-Managements und die dazu nötigen persönlichen und beruflichen Ressourcen zu entwickeln.
Dazu kommt, daß durch längere Dauer der Arbeitslosigkeit und das oft negative Feedback des sozialen und gesellschaftlichen Umfeldes psychischer Druck massiv wirksam wird und das Selbstwertgefühl durch permanente Absagen bei den Bewerbungen oft stark beeinträchtigt ist. Selbstzweifel und Mutlosigkeit sind die Folge. Je älter die Betroffenen und/oder je geringer die berufliche Qualifikation, desto stärker ist der Symptomkreis der Mutlosigkeit und der Resignation ausgeprägt.

Der Ablauf der Beratung orientiert sich nach den individuellen Bedürfnissen und Möglichkeiten der einzelnen Person und umfaßt in den meisten Fällen einen zeitlichen Rahmen von 10 Stunden. In der/den ersten Stunde/n wird ein verbindlicher Ziel- und Arbeitsvertrag gemeinsam mit den KundInnen formuliert, der dem Beratungsverlauf als "roter Faden" dient.

Die Vertraulichkeit der Beratung ermöglicht es, die oft stark emotionalisierten Lebens- und Arbeitserfahrungen, Ängste und Konflikte der KlientInnen zu thematisieren, den Zusammenhang zwischen eigenem Verhalten bzw. eigener Einstellung oder Wertung und der Arbeits- und Lebenssituation bewußt zu machen, sowie die Familienkonstellation und die Sozialisationsgeschichte, die massiv in die Problemfelder der KundInnen einfließen, zu reflektieren und neu zu bewerten. Dabei werden auch lebenspraktische Fragen und Themen wie Umgang mit Geld, Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder, bürokratische Wege, unzureichende oder veraltete Qualifikationen, Ausbildungsdefizite, etc. besprochen und Lösungsalternativen erarbeitet.

*[1] U.Rauchfleisch; Menschen in psychosozialer Not - Beratung, Betreuung, Psychotherapie; Göttingen 1996

*[2] M.Basch; Kurzpschychotherapie in der Praxis; München 1997

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